ETF als Kernbaustein
Das wichtigste Ergebnis ist deutlich: ETF sind in dieser Anlegergruppe angekommen. Mehr als 80 Prozent der analysierten Strategien enthielten mindestens einen ETF. ETF sind börsengehandelte Fonds, die häufig einen Index abbilden. Ein Index bündelt bestimmte Wertpapiere, etwa Aktien vieler Länder oder Regionen.
Besonders auffällig ist die Dominanz breit gestreuter Welt-ETF. Innerhalb des ETF-Anteils entfielen rund 64 Prozent auf globale Produkte.
Regionale ETF auf einzelne Märkte wie USA oder Europa machten weitere 32 Prozent aus. Themen-ETF spielten mit rund 4 Prozent nur eine kleine Rolle.
Das ist aus Anlegersicht positiv. Breite Welt-ETF vermeiden eine zu starke Konzentration auf einzelne Branchen oder Modethemen. Themenprodukte können interessant wirken, haben historisch aber oft Schwierigkeiten, breite Märkte dauerhaft zu schlagen.
Viele Selbstentscheider scheinen diesen Unterschied verstanden zu haben.
Hohe Aktienquote als Risiko
Auffällig ist jedoch die hohe Aktienquote. Die analysierten Portfolios bestanden im Durchschnitt zu mehr als 90 Prozent aus Aktienanlagen. Anleihen-ETF spielten nur eine geringe Rolle. Zwar steigt mit wachsender Portfoliogröße der Anteil von Anlegern, die Geldmarkt- oder Anleihen-ETF nutzen. Insgesamt bleibt der defensive Anteil aber niedrig.
Das muss nicht automatisch problematisch sein. Viele Anleger halten zusätzlich Tagesgeld, Versicherungen, Immobilien oder andere Vermögenswerte außerhalb der Tracking-App. Die tatsächliche Aktienquote des Gesamtvermögens kann daher niedriger sein.
Trotzdem bleibt ein wichtiger Punkt: Viele Selbstentscheider haben ihre Verlustbereitschaft vermutlich noch nicht in einem echten Bärenmarkt getestet. Bärenmarkt bedeutet eine längere Phase stark fallender Kurse. Der Rückgang um rund 19 Prozent beim FTSE All-World Index im April 2025 wurde schnell aufgeholt. Historische Krisen verliefen deutlich härter.
Wichtige Prüffragen sind daher:
- Wie hoch ist die Aktienquote im gesamten Vermögen?
- Gibt es ausreichende Rücklagen außerhalb des Depots?
- Wären 30 oder 40 Prozent Kursverlust emotional tragbar?
- Passt der Anlagehorizont zur Aktienquote?
- Gibt es Regeln für Rebalancing?
Gerade hier können Berater einen wichtigen Beitrag leisten.
Wenig Panik, aber mehr Aktivität in Stressphasen
Ein positives Ergebnis betrifft das Verhalten in Marktturbulenzen. Rund 35 Prozent der untersuchten Anleger setzten im gesamten Beobachtungszeitraum keine einzige Verkaufsorder ab. Auch in einzelnen Quartalen verkaufte mehr als die Hälfte überhaupt nichts.
Besonders interessant ist der April 2025. Am sogenannten Liberation Day stieg das Handelsvolumen zwar deutlich. Doch ETF-Positionen wurden netto aufgebaut. Anleger kauften also mehr ETF, als sie verkauften. Das spricht für Disziplin und langfristiges Denken.
Bei Einzelaktien und klassischen Fonds war das Verhalten weniger stabil. Dort kam es zeitweise zu Verkäufen. Das zeigt: Selbst gut informierte Anleger reagieren in Stressphasen nicht immer gleich. Breite ETF werden offenbar eher als langfristiger Kern verstanden. Einzelwerte werden schneller infrage gestellt.
"Der Vanguard Portfolio Check zeigt eine finanzinteressierte Anlegergruppe, die ETF breit nutzt und in Stressphasen häufig diszipliniert bleibt. Welt-ETF bilden meist den Kern, Themenprodukte spielen nur eine Nebenrolle. Das spricht für ein gewachsenes Verständnis langfristiger Geldanlage."
Bedeutung für die Beratung
Für Finanzberater verändert sich dadurch der Gesprächsansatz. Viele Selbstentscheider brauchen keine Grundsatzerklärung mehr, was ein ETF ist. Sie brauchen eher Unterstützung bei Struktur, Risikoprofil und Gesamtvermögen.
Wichtige Beratungsthemen sind:
- passende Aktienquote,
- Zusammenspiel von Depot und Rücklagen,
- Rolle von Anleihen und Geldmarktanlagen,
- Rebalancing in starken Marktphasen,
- Umgang mit Einzelaktien und Themenanlagen.
Beratung wird damit weniger produktorientiert und stärker strukturorientiert. Es geht nicht darum, Selbstentscheider zu belehren, sondern ihre vorhandene Strategie belastbarer zu machen.
Fazit
Der Vanguard Portfolio Check zeigt eine finanzinteressierte Anlegergruppe, die ETF breit nutzt und in Stressphasen häufig diszipliniert bleibt. Welt-ETF bilden meist den Kern, Themenprodukte spielen nur eine Nebenrolle. Das spricht für ein gewachsenes Verständnis langfristiger Geldanlage.
Gleichzeitig bleibt die sehr hohe Aktienquote ein Warnsignal. Wer fast ausschließlich in Aktien investiert, braucht lange Zeiträume, ausreichende Rücklagen und starke Nerven. Ein echter Stresstest steht vielen Portfolios noch bevor.
Für Berater ergibt sich daraus eine klare Aufgabe. Sie sollten nicht gegen Selbstentscheider arbeiten, sondern mit ihnen. Der Mehrwert liegt in Risikosteuerung, Vermögensstruktur und realistischer Einschätzung der eigenen Verlustbereitschaft.