Passive ETFs streben geringe Abweichungen an
Bei einem klassischen Index-ETF besteht das Ziel darin, einen Index möglichst genau abzubilden. Weicht der MSCI World beispielsweise in einem Jahr deutlich nach oben oder unten ab, sollte ein entsprechender ETF eine sehr ähnliche Entwicklung zeigen.
Vollständig identisch sind die Ergebnisse selten. Kosten, Steuern, Transaktionen und die konkrete Methode der Indexnachbildung führen zu Unterschieden. Der Tracking Error zeigt, wie gleichmäßig diese Abweichungen ausfallen.
Wichtig ist die Abgrenzung zur Tracking Difference. Die Tracking Difference beschreibt den tatsächlichen Renditeunterschied zwischen Fonds und Index über einen bestimmten Zeitraum. Der Tracking Error misst dagegen, wie stark dieser Unterschied schwankt.
Ein ETF kann also regelmäßig etwas schlechter als sein Index abschneiden und trotzdem einen niedrigen Tracking Error besitzen, wenn die Abweichung sehr konstant bleibt.
Bei aktiven Fonds ist Abweichung gewollt
Bei aktiv gemanagten Fonds sieht die Situation anders aus. Ein Fondsmanager soll gerade nicht jede Indexposition exakt nachbilden. Er kann einzelne Aktien stärker gewichten, andere vollständig vermeiden oder zeitweise größere Liquiditätsbestände halten.
Dadurch steigt typischerweise der Tracking Error. Ein hoher Wert kann darauf hinweisen, dass der Manager tatsächlich eigenständige Entscheidungen trifft.
Für die Beurteilung sollten deshalb mehrere Kennzahlen zusammen betrachtet werden:
- Tracking Error für die Schwankung gegenüber dem Index,
- Active Share für die Unterschiede in der Portfoliozusammensetzung,
- Rendite nach Kosten für das tatsächliche Ergebnis.
Erst gemeinsam entsteht ein aussagekräftigeres Bild des Managements.
Ein einfaches Beispiel zeigt den Unterschied
Angenommen, ein Index erzielt in vier Jahren jeweils 8, 5, minus 10 und 12 Prozent. Fonds A liegt jedes Jahr ziemlich genau einen Prozentpunkt darunter. Seine Tracking Difference ist negativ, die Abweichung aber sehr konstant. Der Tracking Error bleibt deshalb niedrig.
Fonds B liegt dagegen einmal fünf Prozentpunkte über und im nächsten Jahr sechs Prozentpunkte unter dem Index. Über mehrere Jahre könnte seine Gesamtrendite trotzdem ähnlich ausfallen. Sein Tracking Error wäre jedoch deutlich höher.
Damit beantwortet die Kennzahl nicht die Frage, welcher Fonds besser ist. Sie zeigt vielmehr, wie zuverlässig oder unregelmäßig sich ein Fonds relativ zu seinem Vergleichsmaßstab bewegt.
Die Benchmark muss zum Fonds passen
Wie beim Active Share hängt auch der Tracking Error stark vom gewählten Vergleichsindex ab. Ein europäischer Nebenwertefonds wird gegenüber dem MSCI World zwangsläufig große Abweichungen zeigen. Daraus lässt sich kaum etwas über die Qualität des Fondsmanagements ableiten.
Vor jeder Interpretation sollte deshalb geprüft werden, ob die Benchmark tatsächlich zur Strategie passt.
Auch der betrachtete Zeitraum spielt eine Rolle. In außergewöhnlichen Marktphasen können Abweichungen kurzfristig stark steigen. Ein einzelner Wert sollte deshalb nicht isoliert betrachtet werden.
"Der Tracking Error macht sichtbar, wie stark die relative Wertentwicklung eines Fonds gegenüber seinem Vergleichsindex schwankt. Für passive ETFs ist ein niedriger Wert meist erwünscht, weil eine möglichst präzise Indexabbildung angestrebt wird."
Fazit: Abweichung ist zunächst weder gut noch schlecht
Der Tracking Error macht sichtbar, wie stark die relative Wertentwicklung eines Fonds gegenüber seinem Vergleichsindex schwankt. Für passive ETFs ist ein niedriger Wert meist erwünscht, weil eine möglichst präzise Indexabbildung angestrebt wird.
Bei aktiven Fonds kann ein höherer Tracking Error dagegen Ausdruck bewusster Anlageentscheidungen sein. Ob diese Abweichungen einen Mehrwert schaffen, zeigt die Kennzahl allerdings nicht.
Tracking Error, Active Share, Kosten und langfristige Rendite gehören deshalb zusammen. Erst dann lässt sich beurteilen, ob ein Fonds seinen Index lediglich anders abbildet – oder mit seinen Abweichungen tatsächlich einen Mehrwert erzielt.