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Große Sorgen trotz langer Ansparzeit

Warum der frühe Start wichtiger ist als der perfekte Plan. Junge Erwachsene haben eigentlich einen entscheidenden Vorteil bei der Altersvorsorge: viel Zeit. Wer bereits mit Anfang 20 regelmäßig investiert, kann sein Vermögen über mehrere Jahrzehnte wachsen lassen. Trotzdem blickt gerade diese Altersgruppe besonders skeptisch auf den späteren Ruhestand. Das Altersvorsorgebarometer von J.P. Morgan Asset Management zeigt, dass nur 35 Prozent der 18- bis 34-Jährigen zuversichtlich sind, sich im Alter den gewünschten Lebensstandard leisten zu können. In den älteren Altersgruppen fällt der Optimismus deutlich größer aus.Diese Sorge ist nachvollziehbar. Junge Menschen müssen mit hohen Wohnkosten, unsicheren Erwerbsbiografien und der Frage umgehen, wie leistungsfähig die gesetzliche Rente in einigen Jahrzehnten noch sein wird. Gleichzeitig fehlt vielen die Erfahrung, um langfristige Finanzentscheidungen sicher zu treffen.
31. Juli 2026 durch
Johannes Marondel

Fehlendes Wissen führt häufig zum Aufschieben

Nur 56 Prozent der jungen Befragten fühlen sich bei Entscheidungen rund um Sparen und Investieren sicher. Besonders auffällig ist, dass 38 Prozent fehlendes Finanzwissen als Hauptgrund für ihre Unsicherheit nennen.

Wer nicht weiß, wie Aktienfonds, ETFs oder der Zinseszinseffekt funktionieren, verschiebt den Einstieg häufig. Dabei ist langes Abwarten gerade in jungen Jahren besonders teuer. Verlorene Zeit lässt sich später nur durch wesentlich höhere Sparraten ausgleichen.

Ein einfaches Beispiel verdeutlicht den Unterschied: Wer über 40 Jahre monatlich 100 Euro investiert, zahlt insgesamt 48.000 Euro ein. Bei einer durchschnittlichen Rendite von fünf Prozent jährlich könnten daraus vor Kosten und Steuern rund 150.000 Euro werden. Beginnt dieselbe Person erst 20 Jahre später, wären es bei gleicher Sparrate lediglich rund 41.000 Euro. Der Unterschied entsteht vor allem durch die deutlich kürzere Zeit, in der Erträge wiederum neue Erträge erwirtschaften können.

Der Einstieg muss nicht kompliziert sein

Viele junge Menschen glauben, zunächst umfangreiches Börsenwissen aufbauen oder größere Geldbeträge besitzen zu müssen. Für den Anfang reichen jedoch einige grundlegende Entscheidungen.

Vor dem langfristigen Investieren sollten zunächst:

  • teure Schulden möglichst vermieden oder zurückgezahlt werden,
  • eine Rücklage für unerwartete Ausgaben vorhanden sein,
  • Sparrate und Anlagehorizont realistisch festgelegt werden.

Anschließend kann bereits ein breit gestreuter ETF-Sparplan eine einfache Grundlage bilden. Er verteilt das Geld auf viele Unternehmen und reduziert damit das Risiko, von der Entwicklung einer einzelnen Aktie abhängig zu sein.

Entscheidend ist nicht, sofort die vermeintlich beste Geldanlage zu finden. Wichtiger ist eine verständliche Lösung, die dauerhaft durchgehalten werden kann.

Kleine Sparraten sind kein Grund zum Warten

Berufseinsteiger, Studierende oder Auszubildende verfügen häufig nur über einen begrenzten finanziellen Spielraum. Das bedeutet jedoch nicht, dass Altersvorsorge erst mit einem hohen Einkommen sinnvoll wird.

Bereits kleine Beträge können helfen, eine Sparroutine aufzubauen. Steigt das Einkommen später, lässt sich die Rate schrittweise erhöhen. Wer dagegen darauf wartet, dass irgendwann "genug Geld" übrig bleibt, verschiebt den Beginn möglicherweise um viele Jahre.

Sinnvoll kann beispielsweise sein, bei jeder Gehaltserhöhung einen Teil des zusätzlichen Einkommens automatisch in den Sparplan fließen zu lassen. Dadurch wächst die Vorsorge, ohne dass der gewohnte Lebensstandard stark eingeschränkt werden muss.

Staatliche Förderung kann unterstützen

Mit dem geplanten Altersvorsorgedepot soll ab 2027 eine neue Möglichkeit für die staatlich geförderte private Vorsorge entstehen. Gerade jüngere Menschen könnten aufgrund ihres langen Anlagehorizonts von einer stärkeren Kapitalmarktorientierung profitieren.

Ob das Angebot tatsächlich attraktiv ist, hängt allerdings von seiner konkreten Ausgestaltung ab. Wichtig sind vor allem:

  • niedrige und transparente Kosten,
  • eine verständliche Förderung,
  • ausreichend Auswahl bei den Anlagen,
  • langfristig verlässliche Regeln,
  • flexible Beiträge bei wechselnden Einkommen.
"Die Skepsis junger Menschen gegenüber ihrer Altersvorsorge ist verständlich. Sie sollte jedoch nicht zur Untätigkeit führen. Gerade die lange Zeit bis zum Ruhestand bietet die Chance, mit überschaubaren Beträgen ein beträchtliches Vermögen aufzubauen."

Ein staatlich gefördertes Produkt ist nicht automatisch besser als ein normaler ETF-Sparplan. Anleger sollten daher später genau vergleichen, welchen Vorteil die Förderung nach Abzug von Kosten und möglichen Einschränkungen tatsächlich bietet.

Zuversicht entsteht durch konkrete Schritte

Die Skepsis junger Menschen gegenüber ihrer Altersvorsorge ist verständlich. Sie sollte jedoch nicht zur Untätigkeit führen. Gerade die lange Zeit bis zum Ruhestand bietet die Chance, mit überschaubaren Beträgen ein beträchtliches Vermögen aufzubauen.

Dafür braucht es weder eine perfekte Marktprognose noch umfassendes Expertenwissen. Einige Grundkenntnisse, eine breite Streuung und regelmäßige Einzahlungen reichen für den Einstieg häufig aus.

Finanzbildung kann dabei helfen, Unsicherheit abzubauen. Der entscheidende Schritt bleibt jedoch das Handeln. Wer früh beginnt, kann Fehler leichter korrigieren, Sparraten später anpassen und den Zinseszinseffekt über Jahrzehnte nutzen. Der beste Vorsorgeplan ist deshalb selten der theoretisch perfekte - sondern derjenige, mit dem tatsächlich begonnen wird.

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Sondertilgung oder Geldanlage?
Wer einen Immobilienkredit abzahlt und gleichzeitig etwas Geld zurücklegen kann, steht früher oder später vor einer schwierigen Entscheidung: Sollte der zusätzliche Betrag in die Tilgung des Darlehens fließen oder besser angelegt werden? Auf den ersten Blick scheint sich die Frage einfach berechnen zu lassen. Ist die erwartete Rendite der Geldanlage höher als der Kreditzins, spricht vieles für das Investieren. Liegt der Kreditzins darüber, erscheint die Sondertilgung vorteilhafter. In der Praxis spielen jedoch nicht nur Zinsen und Renditen eine Rolle. Ebenso wichtig sind Sicherheit, Liquidität, Steuern und das persönliche Gefühl im Umgang mit Schulden.