Fehlendes Wissen führt häufig zum Aufschieben
Nur 56 Prozent der jungen Befragten fühlen sich bei Entscheidungen rund um Sparen und Investieren sicher. Besonders auffällig ist, dass 38 Prozent fehlendes Finanzwissen als Hauptgrund für ihre Unsicherheit nennen.
Wer nicht weiß, wie Aktienfonds, ETFs oder der Zinseszinseffekt funktionieren, verschiebt den Einstieg häufig. Dabei ist langes Abwarten gerade in jungen Jahren besonders teuer. Verlorene Zeit lässt sich später nur durch wesentlich höhere Sparraten ausgleichen.
Ein einfaches Beispiel verdeutlicht den Unterschied: Wer über 40 Jahre monatlich 100 Euro investiert, zahlt insgesamt 48.000 Euro ein. Bei einer durchschnittlichen Rendite von fünf Prozent jährlich könnten daraus vor Kosten und Steuern rund 150.000 Euro werden. Beginnt dieselbe Person erst 20 Jahre später, wären es bei gleicher Sparrate lediglich rund 41.000 Euro. Der Unterschied entsteht vor allem durch die deutlich kürzere Zeit, in der Erträge wiederum neue Erträge erwirtschaften können.
Der Einstieg muss nicht kompliziert sein
Viele junge Menschen glauben, zunächst umfangreiches Börsenwissen aufbauen oder größere Geldbeträge besitzen zu müssen. Für den Anfang reichen jedoch einige grundlegende Entscheidungen.
Vor dem langfristigen Investieren sollten zunächst:
- teure Schulden möglichst vermieden oder zurückgezahlt werden,
- eine Rücklage für unerwartete Ausgaben vorhanden sein,
- Sparrate und Anlagehorizont realistisch festgelegt werden.
Anschließend kann bereits ein breit gestreuter ETF-Sparplan eine einfache Grundlage bilden. Er verteilt das Geld auf viele Unternehmen und reduziert damit das Risiko, von der Entwicklung einer einzelnen Aktie abhängig zu sein.
Entscheidend ist nicht, sofort die vermeintlich beste Geldanlage zu finden. Wichtiger ist eine verständliche Lösung, die dauerhaft durchgehalten werden kann.
Kleine Sparraten sind kein Grund zum Warten
Berufseinsteiger, Studierende oder Auszubildende verfügen häufig nur über einen begrenzten finanziellen Spielraum. Das bedeutet jedoch nicht, dass Altersvorsorge erst mit einem hohen Einkommen sinnvoll wird.
Bereits kleine Beträge können helfen, eine Sparroutine aufzubauen. Steigt das Einkommen später, lässt sich die Rate schrittweise erhöhen. Wer dagegen darauf wartet, dass irgendwann "genug Geld" übrig bleibt, verschiebt den Beginn möglicherweise um viele Jahre.
Sinnvoll kann beispielsweise sein, bei jeder Gehaltserhöhung einen Teil des zusätzlichen Einkommens automatisch in den Sparplan fließen zu lassen. Dadurch wächst die Vorsorge, ohne dass der gewohnte Lebensstandard stark eingeschränkt werden muss.
Staatliche Förderung kann unterstützen
Mit dem geplanten Altersvorsorgedepot soll ab 2027 eine neue Möglichkeit für die staatlich geförderte private Vorsorge entstehen. Gerade jüngere Menschen könnten aufgrund ihres langen Anlagehorizonts von einer stärkeren Kapitalmarktorientierung profitieren.
Ob das Angebot tatsächlich attraktiv ist, hängt allerdings von seiner konkreten Ausgestaltung ab. Wichtig sind vor allem:
- niedrige und transparente Kosten,
- eine verständliche Förderung,
- ausreichend Auswahl bei den Anlagen,
- langfristig verlässliche Regeln,
- flexible Beiträge bei wechselnden Einkommen.
"Die Skepsis junger Menschen gegenüber ihrer Altersvorsorge ist verständlich. Sie sollte jedoch nicht zur Untätigkeit führen. Gerade die lange Zeit bis zum Ruhestand bietet die Chance, mit überschaubaren Beträgen ein beträchtliches Vermögen aufzubauen."
Ein staatlich gefördertes Produkt ist nicht automatisch besser als ein normaler ETF-Sparplan. Anleger sollten daher später genau vergleichen, welchen Vorteil die Förderung nach Abzug von Kosten und möglichen Einschränkungen tatsächlich bietet.
Zuversicht entsteht durch konkrete Schritte
Die Skepsis junger Menschen gegenüber ihrer Altersvorsorge ist verständlich. Sie sollte jedoch nicht zur Untätigkeit führen. Gerade die lange Zeit bis zum Ruhestand bietet die Chance, mit überschaubaren Beträgen ein beträchtliches Vermögen aufzubauen.
Dafür braucht es weder eine perfekte Marktprognose noch umfassendes Expertenwissen. Einige Grundkenntnisse, eine breite Streuung und regelmäßige Einzahlungen reichen für den Einstieg häufig aus.
Finanzbildung kann dabei helfen, Unsicherheit abzubauen. Der entscheidende Schritt bleibt jedoch das Handeln. Wer früh beginnt, kann Fehler leichter korrigieren, Sparraten später anpassen und den Zinseszinseffekt über Jahrzehnte nutzen. Der beste Vorsorgeplan ist deshalb selten der theoretisch perfekte - sondern derjenige, mit dem tatsächlich begonnen wird.