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Frühstart-Rente als Einstieg in die Geldanlage

Noch geringe Bekanntheit bei Eltern. Mit der geplanten Frühstart-Rente sollen Kinder schon früh mit kapitalgedeckter Altersvorsorge und Wertpapieranlagen in Berührung kommen. Vorgesehen ist, dass der Staat vom sechsten bis zum 18. Lebensjahr monatlich zehn Euro in ein individuelles Altersvorsorgedepot einzahlt. Die praktische Einführung wird für 2027 vorbereitet. Nach dem aktuellen Gesetzentwurf soll der Anspruch jedoch rückwirkend zum 1. Januar 2026 gelten, zunächst für den Geburtsjahrgang 2020. Das Gesetz befindet sich Ende Juli 2026 noch im Verfahren, sodass sich Einzelheiten weiterhin ändern können. Der staatliche Beitrag allein wird keine vollständige Altersvorsorge finanzieren. Die Frühstart-Rente kann Familien aber dazu bringen, sich früher mit langfristigem Sparen, Aktienfonds und finanzieller Bildung zu beschäftigen.
10. August 2026 durch
Johannes Marondel

Das geplante Modell

Eltern sollen für ihr anspruchsberechtigtes Kind ein besonderes Altersvorsorgedepot eröffnen können. Neben den staatlichen Zahlungen wären nach dem aktuellen Entwurf private Einzahlungen von bis zu 6.840 Euro jährlich möglich.

Für individuelle Verträge soll ein standardisiertes Altersvorsorgedepot mit einem Effektivkostendeckel von einem Prozent vorgesehen werden.

Bis zum Beginn der späteren Auszahlungsphase sollen die Erträge steuerfrei bleiben. Eine Auszahlung wäre grundsätzlich erst ab dem 65. Lebensjahr möglich und anschließend zu versteuern.

Eröffnen die Eltern kein eigenes Depot, sollen die staatlichen Beiträge nicht verloren gehen. Vorgesehen ist eine kollektiv organisierte, weltweit gestreute Aktienanlage unter Verwaltung der Deutschen Bundesbank.

Die angesammelten Mittel könnten später in einen individuellen Altersvorsorgevertrag übertragen werden.

Noch geringe Bekanntheit bei Eltern

Bislang ist das geplante Modell vielen Familien nicht bekannt. Eine Forsa-Umfrage im Auftrag von Union Investment unter 1.005 Eltern zeigt, dass nur etwa drei von zehn Befragten bereits von der Frühstart-Rente gehört oder gelesen hatten. 68 Prozent kannten sie noch nicht.

Bei einem möglichen Abschluss bevorzugen die Eltern unterschiedliche Wege:

  • 48 Prozent würden das Angebot online abschließen,
  • 42 Prozent würden eine Bank oder einen Finanzdienstleister aufsuchen,
  • ein Teil der Eltern dürfte zunächst weitere Informationen abwarten.

Gerade weil das Geld über mehrere Jahrzehnte gebunden wäre, sind verständliche Angaben zu Kosten, Anlageform, Risiken und späterer Auszahlung besonders wichtig.

Viele Eltern sparen bereits

Die Mehrheit der Eltern sorgt schon heute für ihre Kinder vor. 70 Prozent legen regelmäßig Geld zurück, weitere 15 Prozent zumindest gelegentlich. Nur 13 Prozent sparen nach eigenen Angaben überhaupt nicht für den Nachwuchs.

Die häufigsten Sparziele liegen allerdings in der näheren Zukunft. Genannt werden vor allem:

  • Führerschein,
  • Ausbildung oder Studium,
  • erstes eigenes Auto.

Nur 13 Prozent sparen ausdrücklich für die spätere Altersvorsorge ihrer Kinder. Fonds werden von 55 Prozent der regelmäßig sparenden Eltern genutzt, Sparbücher von 39 Prozent und Tagesgeldkonten von 22 Prozent.

"Die Frühstart-Rente kann Kindern einen ersten Zugang zum Kapitalmarkt verschaffen und Familien dazu bewegen, früher über Geldanlage zu sprechen. Besonders sinnvoll ist die vorgesehene Auffanglösung, durch die der staatliche Zuschuss auch dann angelegt wird, wenn Eltern nicht selbst tätig werden."

Die Frühstart-Rente verfolgt damit ein anderes Ziel als viele bestehende Kindersparpläne. Das Geld soll nicht für Studium, Wohnung oder Führerschein verfügbar sein, sondern bis weit ins Erwachsenenalter der Altersvorsorge dienen.

Ein Anlass für Gespräche über Geld

Fast neun von zehn Eltern sprechen laut Umfrage mit ihren Kindern über Geld. Häufig geschieht das beim Einkaufen, beim Taschengeld oder bei größeren Anschaffungen. Über Wertpapiere und Geldanlage wird dagegen deutlich seltener gesprochen.

Die Frühstart-Rente könnte hierfür einen konkreten Anlass schaffen. Eltern können ihrem Kind anhand des Depots erklären:

  • weshalb regelmäßiges Sparen wichtig ist,
  • warum Aktienkurse schwanken,
  • wie breite Streuung Risiken reduziert,
  • welchen Einfluss Kosten und Zeit auf das Ergebnis haben.

Dabei sollte nicht der jeweils aktuelle Depotstand im Mittelpunkt stehen. Wichtiger ist das Verständnis, dass langfristige Geldanlage auch schwächere Börsenphasen überstehen muss.

Zehn Euro bleiben ein begrenzter Beitrag

Der staatliche Zuschuss beträgt 120 Euro im Jahr. Selbst über zwölf Jahre ergibt sich ohne Rendite lediglich eine Einzahlung von 1.440 Euro. Durch die sehr lange Anlagezeit bis zum Ruhestand kann daraus deutlich mehr werden, das Ergebnis bleibt jedoch von Kosten und Kapitalmarktentwicklung abhängig.

Die Frühstart-Rente ist deshalb vor allem als Startkapital und Bildungsimpuls zu verstehen. Familien sollten andere Sparziele getrennt planen. Geld für Ausbildung oder erste Wohnung gehört nicht in einen Vertrag, der grundsätzlich bis zum 65. Lebensjahr gesperrt ist.

Früher Einstieg mit langfristiger Wirkung

Die Frühstart-Rente kann Kindern einen ersten Zugang zum Kapitalmarkt verschaffen und Familien dazu bewegen, früher über Geldanlage zu sprechen. Besonders sinnvoll ist die vorgesehene Auffanglösung, durch die der staatliche Zuschuss auch dann angelegt wird, wenn Eltern nicht selbst tätig werden.

Ob das Modell überzeugt, wird von seiner endgültigen Ausgestaltung abhängen. Niedrige Kosten, einfache Abläufe und verständliche Informationen sind entscheidend. Die Frühstart-Rente ersetzt weder private Rücklagen noch eine umfassende Altersvorsorge. Sie kann aber den wichtigen ersten Schritt erleichtern.

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