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Erfolge machen selbstsicher

Overconfidence: warum Erfolge zur Überschätzung der eigenen Fähigkeiten führen können. Drei Aktien gekauft, dreimal im Plus. Ein Fonds rechtzeitig verkauft, bevor die Kurse nachgaben. Vielleicht sogar eine Kryptowährung erwischt, deren Wert sich innerhalb kurzer Zeit verdoppelte. Nach mehreren erfolgreichen Entscheidungen liegt ein Gedanke nahe: Offenbar habe ich ein gutes Gespür für Märkte. Genau hier setzt Overconfidence (Selbstüberschätzung der eigenen Fähigkeiten) an. In der Behavioral Finance (verhaltensorientierte Finanzforschung) beschreibt der Begriff die Neigung, das eigene Wissen, die eigene Prognosefähigkeit oder den persönlichen Einfluss auf Ergebnisse höher einzuschätzen, als es objektiv gerechtfertigt ist. Gerade Erfolge können diesen Effekt verstärken.
28. August 2026 durch
Johannes Marondel

Erfolg hat mehrere Ursachen

Das Problem besteht nicht darin, Vertrauen in die eigenen Entscheidungen zu entwickeln. Selbstvertrauen ist notwendig, um überhaupt handeln zu können. Schwierig wird es, wenn erfolgreiche Ergebnisse ausschließlich der eigenen Fähigkeit zugeschrieben werden.

Angenommen, jemand kauft während einer starken Börsenphase fünf Technologieaktien. Vier davon steigen innerhalb eines Jahres deutlich. Rückblickend erscheint die Auswahl hervorragend. Doch wie viel davon beruhte tatsächlich auf besonderer Analyse - und wie viel auf einem Marktumfeld, in dem nahezu der gesamte Technologiesektor kräftig zulegte?

Diese Unterscheidung fällt schwer. Gute Ergebnisse bestätigen die eigene Entscheidung unmittelbar. Vergleichsmöglichkeiten fehlen dagegen häufig. Wer 25 Prozent Gewinn erzielt hat, weiß nicht automatisch, wie sich eine breite Alternative im selben Zeitraum entwickelt hätte.

Selbstüberschätzung verändert das Verhalten

Mit wachsendem Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten verändert sich häufig auch die Strategie. Anfangs war das Depot vielleicht breit gestreut. Nach mehreren Erfolgen erscheinen einzelne Chancen plötzlich besonders überzeugend.

Overconfidence kann dazu führen, dass:

  • häufiger gekauft und verkauft wird,
  • einzelne Aktien oder Branchen stärker gewichtet werden,
  • Risiken weniger kritisch eingeschätzt werden,
  • Prognosen mit größerer Sicherheit vertreten werden,
  • Zufall und günstige Marktbedingungen unterschätzt werden.

Besonders sichtbar wird das beim Market Timing (Versuch, günstige Ein- und Ausstiegszeitpunkte vorherzusagen). Wer einige Male erfolgreich vor einem Kursrückgang verkauft oder kurz vor einem Aufschwung gekauft hat, kann daraus schnell den Schluss ziehen, Wendepunkte zuverlässig erkennen zu können. Einige erfolgreiche Zeitpunkte reichen jedoch nicht aus, um eine dauerhafte Fähigkeit nachzuweisen.

Erfolg und Können auseinanderhalten

Auch außerhalb der Börse spielt Selbstüberschätzung eine Rolle. Wer mit einer Immobilie einen hohen Gewinn erzielt hat, kann daraus schließen, besonders gut Immobilien auswählen zu können. Vielleicht wurde das Objekt tatsächlich geschickt gekauft. Vielleicht profitierte es aber ebenso von stark fallenden Zinsen, wachsender Nachfrage und einem allgemeinen Preisanstieg am Standort.

Ähnlich verhält es sich bei unternehmerischen Beteiligungen oder spekulativen Anlagen. Je außergewöhnlicher ein Gewinn ausfällt, desto größer ist manchmal die Versuchung, beim nächsten Mal einen höheren Betrag einzusetzen. Gerade dann lohnt sich die Frage, welche Faktoren wirklich kontrollierbar waren.

"Erfolge sind erfreulich - aber nicht jeder Erfolg beweist besonderes Können. Märkte werden von zahlreichen Faktoren beeinflusst, von denen viele weder vorhersehbar noch kontrollierbar sind. Selbstüberschätzung entsteht vor allem dann, wenn Zufall, Marktumfeld und Glück aus der Rückschau verschwinden."

Hilfreich ist ein einfacher Vergleich: Was hatte ich vor der Entscheidung erwartet - und was ist anschließend tatsächlich passiert? Wer seine ursprünglichen Annahmen dokumentiert, kann später besser erkennen, ob eine Investition aus den erwarteten Gründen erfolgreich war oder ob andere Entwicklungen den Ausschlag gaben.

Regeln bremsen übermäßiges Selbstvertrauen

Feste Regeln können verhindern, dass einige gute Ergebnisse eine ursprünglich vernünftige Strategie verändern. Dazu können maximale Größen einzelner Positionen, eine feste Aufteilung des Vermögens oder regelmäßige Überprüfungen gehören.

Ebenso hilfreich ist ein bewusster Gegencheck: Welche Argumente sprechen gegen die eigene Einschätzung? Welche Entwicklung würde zeigen, dass die ursprüngliche Annahme falsch war? Wer solche Fragen stellt, sucht nicht nach Gründen für Unsicherheit, sondern nach einer realistischeren Einschätzung der eigenen Prognosefähigkeit.

Fazit

Erfolge sind erfreulich - aber nicht jeder Erfolg beweist besonderes Können. Märkte werden von zahlreichen Faktoren beeinflusst, von denen viele weder vorhersehbar noch kontrollierbar sind. Selbstüberschätzung entsteht vor allem dann, wenn Zufall, Marktumfeld und Glück aus der Rückschau verschwinden.

Gute Entscheidungen brauchen deshalb Selbstvertrauen und Selbstkritik zugleich. Wer auch nach mehreren Erfolgen an Diversifikation, Risikogrenzen und klaren Regeln festhält, verhindert, dass aus berechtigter Zufriedenheit schleichend Übermut wird.

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