Einmalanlage nutzt den gesamten Anlagezeitraum
Wer beispielsweise 30.000 Euro zur Verfügung hat und den Betrag sofort investiert, entscheidet sich für eine Einmalanlage. Das gesamte Kapital nimmt vom ersten Tag an der Entwicklung der Kapitalmärkte teil.
Langfristig spricht dafür ein einfaches Argument: Aktienmärkte steigen über lange Zeiträume häufiger, als sie fallen.
Wer Kapital zunächst auf einem Konto liegen lässt und auf günstigere Kurse wartet, verzichtet während dieser Zeit auf mögliche Kursgewinne und Ausschüttungen.
Bei steigenden Märkten ist die Einmalanlage deshalb gegenüber einem schrittweisen Einstieg im Vorteil. Der Anleger ist sofort vollständig investiert.
Das bedeutet allerdings auch: Fällt der Markt kurz nach dem Kauf deutlich, trifft der Kursverlust unmittelbar das gesamte angelegte Kapital. Genau dieses Risiko macht eine Einmalanlage für manche Anleger psychologisch schwierig.
Gestaffelter Einstieg reduziert das Timing-Risiko
Eine Alternative besteht darin, vorhandenes Kapital in mehreren Schritten anzulegen. Aus 30.000 Euro könnten beispielsweise sechs Investitionen von jeweils 5.000 Euro werden, die über mehrere Monate verteilt erfolgen.
Damit verteilt sich das Risiko eines ungünstigen Einstiegszeitpunkts. Fallen die Kurse nach der ersten Investition, werden die folgenden Anteile günstiger gekauft. Steigen die Kurse dagegen kontinuierlich, werden die späteren Käufe teurer.
Ein gestaffelter Einstieg ist deshalb nicht automatisch renditestärker. Er kann aber emotional leichter durchzuhalten sein.
Das ist keineswegs unwichtig. Eine theoretisch optimale Strategie bringt wenig, wenn ein Anleger nach einem schnellen Verlust nervös wird und seine Wertpapiere wieder verkauft.
Der Sparplan erfüllt eine andere Aufgabe
Ein ETF- oder Fondssparplan wird häufig mit einem gestaffelten Einstieg gleichgesetzt. Tatsächlich unterscheiden sich beide Ansätze.
Beim gestaffelten Einstieg ist das Geld bereits vorhanden und wird bewusst zunächst zurückgehalten. Beim klassischen Sparplan entsteht das investierbare Kapital dagegen häufig erst nach und nach aus dem laufenden Einkommen.
Wer jeden Monat 300 Euro sparen kann, muss nicht entscheiden, ob er heute 36.000 Euro oder erst später investiert. Dieses Kapital steht noch gar nicht zur Verfügung.
Der Sparplan bietet dabei mehrere Vorteile:
- Investitionen erfolgen automatisch und regelmäßig.
- Bei niedrigen Kursen werden für denselben Betrag mehr Anteile gekauft.
- Börsenentscheidungen werden weniger von kurzfristigen Stimmungen beeinflusst.
Vor allem bei langen Anlagezeiträumen kann diese Regelmäßigkeit wichtiger sein als die Suche nach besonders günstigen Kaufzeitpunkten.
Der Cost-Average-Effekt wird häufig überschätzt
Beim Sparplan wird häufig mit dem sogenannten Cost-Average-Effekt argumentiert. Durch regelmäßige Investitionen kauft der Anleger bei niedrigen Kursen mehr und bei hohen Kursen weniger Anteile.
Dieser Mechanismus existiert tatsächlich. Er bedeutet jedoch nicht automatisch, dass ein Sparplan eine höhere Rendite erzielt als eine sofortige Einmalanlage.
Steigen die Märkte während des betrachteten Zeitraums überwiegend, wäre es günstiger gewesen, das gesamte bereits vorhandene Kapital von Anfang an investiert zu haben.
Der große Vorteil regelmäßiger Investitionen liegt daher weniger in einem vermeintlichen Renditetrick. Er besteht vielmehr darin, dass Anleger konsequent investieren und sich nicht jeden Monat erneut mit der Frage nach dem richtigen Börsenzeitpunkt beschäftigen müssen.
"Je länger der Anlagezeitraum, desto stärker verliert ein einzelner Einstiegszeitpunkt an Bedeutung. Für den langfristigen Vermögensaufbau sind andere Faktoren meist wesentlich wichtiger: eine breite Diversifikation, angemessene Kosten, die passende Aktienquote und vor allem die Fähigkeit, auch schwierige Marktphasen durchzuhalten."
Psychologie beeinflusst die Entscheidung
Rein mathematische Überlegungen sind nur ein Teil der Entscheidung. Ebenso wichtig ist die persönliche Reaktion auf Verluste.
Wer 100.000 Euro auf einmal investiert und wenige Wochen später einen Depotwert von nur noch 80.000 Euro sieht, muss diese Situation aushalten können. Ein Anleger, der daraufhin verkauft, hätte wenig davon, dass die Einmalanlage langfristig statistisch attraktiv gewesen sein mag.
Ein gestaffelter Einstieg kann deshalb ein vernünftiger Kompromiss sein. Er reduziert das Risiko, unmittelbar nach der Anlage mit dem gesamten Kapital von einem Kursrückgang getroffen zu werden.
Problematisch wird das Warten dagegen, wenn daraus keine Strategie, sondern ein Dauerzustand wird. Anleger verschieben den Einstieg dann immer wieder: Erst sind die Kurse zu hoch, anschließend ist die Lage zu unsicher und nach einer Erholung erscheint die Börse erneut zu teuer.
Drei unterschiedliche Ausgangssituationen
Welche Vorgehensweise sinnvoll ist, hängt vor allem davon ab, woher das Geld stammt.
Bereits vorhandenes Kapital spricht eher für eine Einmalanlage, sofern Anlagehorizont und Risikobereitschaft passen. Wer sich mit einem sofortigen vollständigen Einstieg unwohl fühlt, kann den Betrag nach einem vorher festgelegten Zeitplan aufteilen.
Kapital aus dem laufenden Einkommen eignet sich dagegen besonders für einen Sparplan. Investiert wird regelmäßig, sobald Geld zur Verfügung steht.
Entscheidend ist dabei, die Strategie nicht ständig an Börsennachrichten anzupassen. Wer einen gestaffelten Einstieg beschließt, sollte beispielsweise Zeitraum und Teilbeträge vorher bestimmen, statt nach jedem Kursrückgang erneut über den nächsten Kauf zu grübeln.
Anlagehorizont wichtiger als der Einstiegstag
Je länger der Anlagezeitraum, desto stärker verliert ein einzelner Einstiegszeitpunkt an Bedeutung. Für den langfristigen Vermögensaufbau sind andere Faktoren meist wesentlich wichtiger: eine breite Diversifikation, angemessene Kosten, die passende Aktienquote und vor allem die Fähigkeit, auch schwierige Marktphasen durchzuhalten.
Der perfekte Einstiegszeitpunkt lässt sich erst im Nachhinein erkennen. Eine gute Anlagestrategie sollte deshalb nicht davon abhängig sein, ihn zufällig zu treffen.