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Aus Vermögensaufbau wird die Nutzung

ETF-Depot, Anleihen und Liquiditätsreserve kombinieren. Mit dem Ruhestand verändert sich die Aufgabe eines Depots. Jahrzehntelang wurde regelmäßig eingezahlt, nun soll das angesparte Vermögen zusätzliche monatliche Einkünfte liefern. Ein einfacher ETF-Sparplan reicht dafür als Konzept nicht mehr aus. Die zentrale Herausforderung besteht darin, genügend Renditechancen für einen möglicherweise 20 oder 30 Jahre dauernden Ruhestand zu erhalten und gleichzeitig zu vermeiden, dass Aktien während einer Börsenkrise verkauft werden müssen. Eine Kombination aus Aktien-ETFs, Anleihen und einer Liquiditätsreserve kann dafür eine praktikable Struktur schaffen.
12. September 2026 durch
Johannes Marondel

Drei Bausteine mit unterschiedlichen Aufgaben

Die einzelnen Anlageklassen erfüllen im Entnahmeplan unterschiedliche Funktionen.

Aktien-ETFs bleiben für das langfristige Wachstum zuständig. Auch mit 65 oder 70 Jahren kann ein Teil des Vermögens noch Jahrzehnte investiert bleiben. Eine vollständige Umschichtung in sichere Anlagen könnte deshalb dazu führen, dass langfristig Rendite fehlt und die Inflation stärker am Vermögen zehrt.

Anleihen sollen dagegen stärker stabilisieren und laufende Erträge liefern. Eine Liquiditätsreserve auf Tagesgeld oder ähnlichen sicheren Konten deckt schließlich die kurzfristig geplanten Entnahmen.

Vereinfacht entstehen damit drei Ebenen:

  • Liquidität für die nächsten Ausgaben,
  • Anleihen für mittelfristige Stabilität,
  • Aktien-ETFs für langfristiges Wachstum.

Die konkrete Gewichtung hängt vom persönlichen Finanzbedarf ab.

Eine Liquiditätsreserve verhindert Verkäufe zur Unzeit

Besonders problematisch sind starke Börsenverluste unmittelbar nach Rentenbeginn. Dieses sogenannte Sequence-of-Returns-Risiko beschreibt die Gefahr einer ungünstigen Reihenfolge der Renditen.

Ein Beispiel: Aus einem Depot von 300.000 Euro sollen jährlich 12.000 Euro entnommen werden. Fällt der Aktienmarkt unmittelbar nach Rentenbeginn um 30 Prozent, müssen bei einem reinen Aktiendepot ETF-Anteile zu niedrigen Kursen verkauft werden. Diese Anteile können an einer späteren Erholung nicht mehr teilnehmen.

Liegt dagegen beispielsweise der Bedarf für zwei Jahre als Liquiditätsreserve bereit, können die laufenden Entnahmen zunächst daraus finanziert werden.

Damit erhält das Aktienvermögen Zeit zur Erholung. Garantiert ist diese allerdings nicht.

Anleihen bilden die zweite Verteidigungslinie

Zwischen kurzfristiger Liquidität und langfristigen Aktien können hochwertige Anleihen stehen.

Dabei sollten Laufzeit und Bonität beachtet werden. Sehr langfristige Anleihen können bei steigenden Marktzinsen erheblich schwanken. Unternehmensanleihen wiederum besitzen zusätzlich ein Kreditrisiko.

Für den stabilisierenden Teil eines Ruhestandsportfolios können daher beispielsweise kurz- bis mittelfristige Staats- oder hochwertige Unternehmensanleihen beziehungsweise entsprechend breit gestreute ETFs infrage kommen.

Auch hier gilt: Anleihen sind nicht automatisch risikolos.

"Ein guter Entnahmeplan versucht nicht, jede Börsenbewegung vorherzusagen. Stattdessen werden unterschiedliche Anlagehorizonte miteinander kombiniert. Kurzfristig benötigtes Geld bleibt liquide, mittelfristiges Kapital kann über Anleihen stabilisiert werden und langfristig nicht benötigtes Vermögen bleibt teilweise in Aktien investiert."

Entnahmen regelmäßig überprüfen

Ein Entnahmeplan sollte nicht für 25 Jahre unverändert festgeschrieben werden.

Nach starken Aktienjahren kann ein Teil der Gewinne genutzt werden, um Liquiditäts- und Anleihereserven wieder aufzufüllen. Nach größeren Kursverlusten kann es dagegen sinnvoll sein, zunächst stärker aus den vorhandenen sicheren Reserven zu leben.

Dabei sollte auch der tatsächliche Kapitalbedarf regelmäßig überprüft werden. Steigende Lebenshaltungskosten, Pflegeausgaben oder unerwartete größere Anschaffungen können die ursprüngliche Planung verändern.

Nicht das gesamte Vermögen muss gleich behandelt werden

Besonders hilfreich ist der Blick auf die übrigen Alterseinkünfte.

Decken gesetzliche Rente, Betriebsrente oder Pension bereits den größten Teil der laufenden Kosten, muss das Depot möglicherweise nur zusätzliche Wünsche finanzieren. Dann kann eine höhere Aktienquote vertretbar sein.

Wer dagegen jeden Monat zwingend einen größeren Betrag aus dem Depot benötigt, ist stärker auf stabile Reserven angewiesen.

Das Lebensalter allein sagt deshalb wenig über die richtige Aufteilung aus.

Fazit: Unterschiedliche Zeithorizonte getrennt finanzieren

Ein guter Entnahmeplan versucht nicht, jede Börsenbewegung vorherzusagen. Stattdessen werden unterschiedliche Anlagehorizonte miteinander kombiniert.

Kurzfristig benötigtes Geld bleibt liquide, mittelfristiges Kapital kann über Anleihen stabilisiert werden und langfristig nicht benötigtes Vermögen bleibt teilweise in Aktien investiert.

Damit lässt sich das wichtigste Risiko der Entnahmephase reduzieren: während einer Börsenkrise ausgerechnet jene Aktien verkaufen zu müssen, die eigentlich noch viele Jahre Zeit zur Erholung hätten.

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Aktienquote verändern sich im Leben
Ein langer Anlagehorizont verändert die Risikobetrachtung. Wer mit 25 Jahren für den Ruhestand spart, kann anders investieren als jemand, der kurz vor der Rente steht. Der wesentliche Unterschied ist der Anlagehorizont. Junge Sparer haben mehrere Jahrzehnte Zeit, zwischenzeitliche Börsenverluste auszugleichen. Im höheren Alter kann ein starker Kursrückgang dagegen genau dann auftreten, wenn das angesparte Vermögen benötigt wird. Deshalb spielt bei einer ETF-basierten Altersvorsorge nicht nur die Auswahl der Fonds eine Rolle. Ebenso wichtig ist die Frage, welcher Anteil des Vermögens überhaupt in Aktien investiert sein sollte.