Irving Fisher und der Crash von 1929
Der Ökonom Irving Fisher erklärte kurz vor dem großen Börsencrash, Aktien hätten ein dauerhaft hohes Niveau erreicht.
Wenig später brachen die Kurse ein.
Die Federal Reserve History beschreibt, dass Fisher diese Einschätzung nach dem Kurshoch von 1929 äußerte; danach endete der Boom abrupt im Crash.
Der Fall zeigt, wie gefährlich scheinbare Stabilität sein kann.
Gerade am Ende langer Aufwärtsphasen wirken Bewertungen oft plausibel.
Rückblickend erkennt man Übertreibungen leichter als im Moment selbst.
„The Death of Equities“ im Jahr 1979
Im August 1979 veröffentlichte BusinessWeek die berühmte Titelgeschichte „The Death of Equities“. Aktien galten damals als unattraktiv, Inflation belastete die Märkte, und viele Anleger hatten das Vertrauen verloren. Bloomberg erinnerte 2019 daran, dass der Markt drei Jahre später seinen Tiefpunkt erreichte und anschließend eine lange Aufwärtsphase begann.
Die Lehre ist klar: Wenn eine Anlageklasse allgemein abgeschrieben wird, kann genau dort langfristiges Potenzial entstehen. Pessimismus ist nicht automatisch ein Verkaufssignal.
„Dow 36.000“ kurz vor der Technologieblase
1999 erschien das Buch „Dow 36,000“. Die Autoren James Glassman und Kevin Hassett erwarteten, dass der Dow Jones diese Marke innerhalb weniger Jahre erreichen könne. Tatsächlich dauerte es rund 22 Jahre, bis der Index diese Schwelle erreichte. Fortune beschrieb den Irrtum später als besonders spektakulär, weil die Richtung langfristig stimmte, der Zeithorizont aber völlig falsch war.
Das ist eine wichtige Unterscheidung. Eine Prognose kann grundsätzlich nicht absurd sein und dennoch für Anleger gefährlich werden, wenn sie viel zu früh kommt.
Bernankes Einschätzung zur Subprime-Krise
Im März 2007 erklärte der damalige Fed-Chef Ben Bernanke, die Probleme im Subprime-Markt dürften auf die breitere Wirtschaft und die Finanzmärkte begrenzt bleiben. Der Guardian dokumentierte diese Einschätzung. Wenig später entwickelte sich daraus eine globale Finanzkrise.
Bernanke war kein oberflächlicher Beobachter. Er galt als Experte für Finanzkrisen und die Große Depression. Gerade deshalb ist dieses Beispiel so lehrreich. Fachwissen schützt nicht davor, systemische Kettenreaktionen zu unterschätzen.
"Fehlprognosen entstehen selten aus Dummheit. Oft entstehen sie aus Erfahrung, die zu stark in die Zukunft verlängert wird. Wer die Vergangenheit gut kennt, sieht neue Brüche manchmal zu spät. Wer eine Krise erlebt, unterschätzt die Erholung. Wer einen Boom erlebt, unterschätzt das Risiko."
Paul Krugman und das Internet
Fehlprognosen entstehen selten aus Dummheit. Oft entstehen sie aus Erfahrung, die zu stark in die Zukunft verlängert wird. Wer die Vergangenheit gut kennt, sieht neue Brüche manchmal zu spät. Wer eine Krise erlebt, unterschätzt die Erholung. Wer einen Boom erlebt, unterschätzt das Risiko."
Steve Ballmer und das iPhone
2007 hielt Microsoft-Chef Steve Ballmer das iPhone für chancenarm am Massenmarkt. Wired dokumentierte seine Einschätzung, dass das Gerät wegen des hohen Preises keine nennenswerten Marktanteile erreichen werde.
Auch hier war der Denkfehler nachvollziehbar. Aus damaliger Sicht war das iPhone teuer und ungewöhnlich. Doch Ballmer unterschätzte, dass ein neues Produkt nicht nur einen bestehenden Markt bedient, sondern diesen Markt selbst verändern kann.
Fazit
Fehlprognosen entstehen selten aus Dummheit. Oft entstehen sie aus Erfahrung, die zu stark in die Zukunft verlängert wird. Wer die Vergangenheit gut kennt, sieht neue Brüche manchmal zu spät. Wer eine Krise erlebt, unterschätzt die Erholung. Wer einen Boom erlebt, unterschätzt das Risiko.
Für Anleger ist die wichtigste Lehre nüchtern: Prognosen sollten nie alleinige Grundlage einer Entscheidung sein. Auch bekannte Namen, überzeugende Argumente und große Sicherheit ersetzen keine Streuung, keine Risikoprüfung und keinen ausreichenden Anlagehorizont.
Märkte bleiben offen. Zukunft ist kein Rechenblatt, das sich einfach fortschreiben lässt. Gerade deshalb ist Demut eine wichtige finanzielle Tugend. Wer Prognosen als Möglichkeit versteht, nicht als Gewissheit, trifft meist bessere Entscheidungen.