Abweichung ist Voraussetzung für Mehrertrag
Ein Fonds kann einen Index nur deutlich übertreffen, wenn er anders investiert als dieser. Das klingt selbstverständlich, führt aber zu einem wichtigen Punkt.
Hält ein aktiver Fonds nahezu dieselben Aktien mit ähnlichen Gewichtungen wie sein Vergleichsindex, bleibt wenig Raum für eine bessere Entwicklung. Gleichzeitig fallen höhere Gebühren an.
Interessant wird aktives Management deshalb dort, wo das Fondsmanagement bewusst eigene Entscheidungen trifft, etwa durch:
- Konzentration auf besonders überzeugende Unternehmen,
- Verzicht auf als überbewertet eingeschätzte Indexschwergewichte,
- gezielte Nutzung weniger effizienter Marktsegmente.
Damit steigt allerdings auch das Risiko, zeitweise erheblich schlechter als der Markt abzuschneiden.
Weniger effiziente Märkte bieten eher Chancen
Bei großen amerikanischen Standardwerten verfolgen zahlreiche Analysten jede Unternehmensmeldung. Neue Informationen werden deshalb meist sehr schnell verarbeitet.
Anders kann es bei kleineren Unternehmen, Spezialmärkten oder bestimmten Schwellenländern aussehen. Dort ist die Analystenabdeckung teilweise geringer. Gute Unternehmensanalyse kann deshalb theoretisch einen größeren Informationsvorteil schaffen.
Auch komplexere Situationen wie Unternehmensabspaltungen, Restrukturierungen oder besondere Anleihemärkte können aktiven Strategien mehr Spielraum bieten als ein sehr transparenter Standardindex.
Kosten bleiben eine hohe Hürde
Angenommen, ein ETF kostet jährlich 0,2 Prozent und ein aktiver Fonds 1,5 Prozent. Der aktive Fonds muss allein 1,3 Prozentpunkte zusätzliche Rendite erzielen, um den Kostennachteil auszugleichen.
Über Jahrzehnte wird dieser Unterschied durch den Zinseszinseffekt erheblich.
Deshalb sollte vor einer aktiven Anlage geprüft werden, ob tatsächlich eine eigenständige Strategie vorhanden ist. Eine hohe Gebühr für ein Portfolio, das weitgehend dem Index folgt, ist besonders schwer zu rechtfertigen.
"Aktives Investieren kann gerechtfertigt sein, wenn ein Fonds einen nachvollziehbaren Vorteil besitzt, tatsächlich vom Index abweicht und seine höheren Kosten durch bessere Renditechancen oder überzeugendes Risikomanagement rechtfertigen kann."
Mehrwert kann auch Risikomanagement bedeuten
Nicht jeder aktive Fonds muss seinen Index in jedem Börsenjahr schlagen. Eine Strategie kann beispielsweise darauf ausgerichtet sein, größere Verluste zu begrenzen oder bestimmte Risiken bewusst zu vermeiden.
Das kann für Menschen interessant sein, die starke Schwankungen schlechter verkraften können.
Entscheidend ist jedoch ein fairer Vergleich. Ein defensiver Fonds sollte nicht allein daran gemessen werden, ob er einen vollständig investierten Aktienindex während eines Börsenbooms übertrifft. Gleichzeitig muss er in schwachen Marktphasen tatsächlich den versprochenen Schutz liefern.
Geduld gehört zur aktiven Strategie
Selbst ein guter Fondsmanager wird nicht jedes Jahr richtigliegen. Eine eigenständige Strategie kann über mehrere Jahre hinter dem Index zurückbleiben.
Wer einen aktiven Fonds nach zwölf schwachen Monaten verkauft und anschließend dem nächsten Gewinner hinterherläuft, kombiniert möglicherweise hohe Kosten mit schlechtem Timing.
Vor der Auswahl sollte deshalb klar sein, warum der Fonds gehalten wird und unter welchen Umständen die ursprüngliche Investmentthese tatsächlich nicht mehr gilt.
Fazit: Aktiv muss wirklich aktiv sein
Aktives Investieren kann gerechtfertigt sein, wenn ein Fonds einen nachvollziehbaren Vorteil besitzt, tatsächlich vom Index abweicht und seine höheren Kosten durch bessere Renditechancen oder überzeugendes Risikomanagement rechtfertigen kann.
Für breite und sehr effiziente Märkte bleibt ein kostengünstiger ETF allerdings ein schwieriger Gegner.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht „aktiv oder passiv?“. Sinnvoller ist zu prüfen, wo aktives Management einen realistischen Mehrwert schaffen kann – und wo lediglich für eine indexähnliche Anlage höhere Gebühren bezahlt werden.