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Aktienquote verändern sich im Leben

Ein langer Anlagehorizont verändert die Risikobetrachtung. Wer mit 25 Jahren für den Ruhestand spart, kann anders investieren als jemand, der kurz vor der Rente steht. Der wesentliche Unterschied ist der Anlagehorizont. Junge Sparer haben mehrere Jahrzehnte Zeit, zwischenzeitliche Börsenverluste auszugleichen. Im höheren Alter kann ein starker Kursrückgang dagegen genau dann auftreten, wenn das angesparte Vermögen benötigt wird. Deshalb spielt bei einer ETF-basierten Altersvorsorge nicht nur die Auswahl der Fonds eine Rolle. Ebenso wichtig ist die Frage, welcher Anteil des Vermögens überhaupt in Aktien investiert sein sollte.
13. September 2026 durch
Johannes Marondel

In jungen Jahren kann die Aktienquote höher sein

Aktien schwanken stärker als sichere Bankeinlagen oder kurzlaufende Staatsanleihen. Langfristig bieten sie dafür höhere Renditechancen.

Für einen 25-Jährigen kann deshalb beispielsweise eine Aktienquote von 80 oder sogar 100 Prozent vertretbar sein, sofern ausreichend finanzielle Rücklagen vorhanden sind und größere Kursschwankungen ausgehalten werden können.

Ein Börsenrückgang von 30 Prozent ist dann zwar unangenehm, aber nicht zwangsläufig problematisch. Bis zum Ruhestand bleiben noch Jahrzehnte. Zudem werden über einen Sparplan während niedriger Kurse weitere ETF-Anteile gekauft.

Die wichtigste Voraussetzung ist allerdings, dass das Geld tatsächlich langfristig investiert bleiben kann.

Die persönliche Risikotoleranz bleibt entscheidend

Das Lebensalter allein bestimmt die richtige Aktienquote nicht.

Ein 30-Jähriger, der bei einem Kursverlust von 20 Prozent nervös verkauft, ist mit einer sehr hohen Aktienquote möglicherweise schlechter aufgestellt als ein gelassener 60-Jähriger mit ausreichenden Reserven und weiteren sicheren Einkünften.

Relevant sind unter anderem:

  • verbleibender Anlagehorizont,
  • vorhandene Rücklagen und anderes Vermögen,
  • sichere Renten- und Pensionseinkünfte,
  • persönliche Bereitschaft, Verluste auszuhalten.

Die Aktienquote sollte deshalb sowohl zur finanziellen Situation als auch zur eigenen Risikofähigkeit passen.

Vor dem Ruhestand verändert sich das Risiko

Besondere Aufmerksamkeit verdient die Zeit unmittelbar vor und nach dem Renteneintritt.

Angenommen, jemand besitzt mit 65 Jahren ein ETF-Depot von 300.000 Euro und benötigt daraus regelmäßig Geld. Fällt der Aktienmarkt unmittelbar danach um 35 Prozent, sinkt der Depotwert erheblich. Müssen gleichzeitig ETF-Anteile für den Lebensunterhalt verkauft werden, können diese später nicht mehr von einer Markterholung profitieren.

Dieses Problem wird als Sequence-of-Returns-Risiko bezeichnet – das Risiko einer ungünstigen Reihenfolge von Renditen während der Entnahmephase.

Deshalb kann es sinnvoll sein, bereits einige Jahre vor dem geplanten Ruhestand einen Teil des Vermögens in weniger schwankungsanfällige Anlagen umzuschichten.

Schrittweise reduzieren statt Stichtagsentscheidung

Die Aktienquote muss nicht an einem bestimmten Geburtstag plötzlich von 80 auf 40 Prozent sinken.

Eine schrittweise Anpassung ist häufig praktikabler. Beispielsweise könnte ein langfristiger Plan vorsehen, die Aktienquote über mehrere Jahre langsam zu reduzieren und gleichzeitig Anleihen oder sichere Liquiditätsreserven aufzubauen.

Dadurch entstehen unterschiedliche Vermögensteile:

  • Aktien für langfristiges Wachstum,
  • Anleihen zur Stabilisierung,
  • liquide Mittel für absehbare Ausgaben.

Ein solcher Aufbau kann verhindern, dass Aktien während einer Börsenkrise verkauft werden müssen, nur weil gerade Geld für den Lebensunterhalt benötigt wird.

"ETFs eignen sich gut für eine langfristige Altersvorsorge, doch die passende Aktienquote verändert sich im Laufe des Lebens. In jungen Jahren spricht der lange Anlagehorizont häufig für einen hohen Aktienanteil. Mit näher rückendem Ruhestand gewinnt dagegen der Schutz vor ungünstigen Börsenphasen an Bedeutung."

Im Ruhestand gehören Aktien weiterhin ins Konzept

Mit dem Renteneintritt muss die Aktienquote nicht auf null sinken. Wer mit 67 Jahren in den Ruhestand geht, kann noch einen Anlagehorizont von 20 oder 30 Jahren haben.

Eine ausschließlich sehr defensive Anlage birgt deshalb ein anderes Risiko: Die Rendite reicht möglicherweise langfristig nicht aus, um Inflation und regelmäßige Entnahmen auszugleichen.

Aktien können auch im Ruhestand einen wichtigen Wachstumsbaustein darstellen. Entscheidend ist, dass kurzfristig benötigtes Kapital nicht vollständig von Aktienkursen abhängig ist.

Einfache Faustregeln haben Grenzen

Bekannte Regeln wie „100 minus Lebensalter entspricht der Aktienquote“ wirken einfach, berücksichtigen aber individuelle Unterschiede kaum.

Ein vermögender Rentner mit hoher gesetzlicher Rente und geringem Kapitalbedarf kann möglicherweise deutlich mehr Aktien halten als eine Person gleichen Alters, die vollständig auf ihr Depot angewiesen ist.

Sinnvoller ist deshalb eine Planung vom tatsächlichen Finanzbedarf aus: Welches Geld wird in den kommenden Jahren benötigt, welcher Teil kann länger investiert bleiben und welche Verluste wären finanziell tragbar?

Fazit: Die Aktienquote sollte mit der Lebenssituation wachsen und fallen

ETFs eignen sich gut für eine langfristige Altersvorsorge, doch die passende Aktienquote verändert sich im Laufe des Lebens.

In jungen Jahren spricht der lange Anlagehorizont häufig für einen hohen Aktienanteil. Mit näher rückendem Ruhestand gewinnt dagegen der Schutz vor ungünstigen Börsenphasen an Bedeutung.

Dabei sollte die Aktienquote nicht allein vom Alter abhängen. Einkommen, Vermögen, Rentenansprüche, Entnahmebedarf und persönliche Risikotoleranz sind mindestens ebenso wichtig.

Das Ziel ist deshalb nicht, Aktien im Alter vollständig zu vermeiden. Entscheidend ist vielmehr, genügend Sicherheit für kurzfristige Ausgaben zu schaffen und gleichzeitig ausreichend Kapital langfristig investiert zu lassen.

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Aktives Investieren
Der Index ist ein anspruchsvoller Konkurrent. Mit einem ETF lässt sich ein breiter Aktienmarkt heute zu sehr niedrigen Kosten abbilden. Ein aktiv gemanagter Fonds muss dagegen Research, Fondsmanagement und häufig höhere Handelskosten finanzieren. Damit beginnt er den Wettbewerb mit einem Nachteil: Diese Mehrkosten müssen zunächst verdient werden. Trotzdem kann aktives Investieren sinnvoll sein. Entscheidend ist nicht, ob ein Fonds gelegentlich den Index schlägt, sondern ob seine Strategie langfristig einen Mehrwert bietet, der Kosten und zusätzliche Risiken rechtfertigt.