Was der Active Share misst
Der Active Share vergleicht die einzelnen Positionen eines Fonds mit denen seines Referenzindex. Stimmen Fonds und Index vollständig überein, liegt der Wert bei null Prozent. Enthält ein Fonds dagegen ausschließlich Positionen, die im Index nicht vorkommen, kann der Active Share theoretisch 100 Prozent erreichen.
Ein einfaches Beispiel verdeutlicht das Prinzip. Hat eine Aktie im Index ein Gewicht von zehn Prozent, im Fonds aber nur fünf Prozent, beträgt die Abweichung fünf Prozentpunkte. Solche Unterschiede werden über das gesamte Portfolio zusammengeführt.
Ein hoher Active Share bedeutet daher, dass der Fondsmanager deutlich von der Indexzusammensetzung abweicht.
Hoher Active Share ist keine Qualitätsgarantie
Eine wichtige Einschränkung bleibt: Ein hoher Wert sagt nichts darüber aus, ob diese Abweichungen richtig sind.
Ein Fondsmanager kann bewusst andere Aktien auswählen als der Index und damit sowohl deutlich besser als auch deutlich schlechter abschneiden. Active Share misst Aktivität, nicht Kompetenz.
Die Kennzahl sollte deshalb gemeinsam mit weiteren Faktoren betrachtet werden:
- langfristige Wertentwicklung nach Kosten,
- Risiko und Schwankungsbreite,
- nachvollziehbare und konsequent umgesetzte Anlagestrategie.
Auch die Erfahrung des Managements und die Stabilität des Investmentprozesses sind relevant.
Problematisch wird es bei hohen Gebühren und geringer Abweichung
Besonders kritisch sind Fonds, die hohe aktive Gebühren verlangen, sich gleichzeitig aber sehr eng am Vergleichsindex orientieren. Solche Produkte werden häufig als „Closet Indexer“ bezeichnet – Fonds, die formal aktiv gemanagt werden, praktisch aber einem Index sehr ähnlich bleiben.
Das kann problematisch sein, weil ein Fonds mit geringer Abweichung nur begrenzte Möglichkeiten besitzt, nach Kosten deutlich besser abzuschneiden als der Index.
Kostet ein Fonds beispielsweise 1,5 Prozent pro Jahr und ähnelt sein Portfolio fast vollständig einem ETF mit 0,2 Prozent Kosten, muss der Manager zunächst diesen Gebührennachteil ausgleichen.
Active Share und Tracking Error sind nicht dasselbe
Häufig wird Active Share mit dem Tracking Error verwechselt. Beide Kennzahlen betrachten Abweichungen vom Index, messen aber unterschiedliche Dinge.
Der Active Share untersucht die Zusammensetzung des Portfolios. Der Tracking Error misst dagegen, wie stark die Rendite eines Fonds im Zeitverlauf von der Rendite seines Vergleichsindex schwankt.
Ein Fonds kann einen relativ hohen Active Share besitzen und trotzdem einen moderaten Tracking Error aufweisen, wenn sich die ausgewählten Aktien ähnlich wie der Index entwickeln. Umgekehrt können konzentrierte Positionen den Tracking Error deutlich erhöhen.
"Besonders nützlich wird die Kennzahl in Verbindung mit Kosten, langfristiger Performance und Tracking Error. Wer hohe Gebühren für aktives Management zahlt, sollte zumindest erkennen können, dass tatsächlich aktive Entscheidungen getroffen werden."
Beide Kennzahlen ergänzen sich deshalb.
Die Wahl des Vergleichsindex ist entscheidend
Der Active Share ist nur so aussagekräftig wie der verwendete Vergleichsindex. Vergleicht sich ein Fonds mit einem ungeeigneten Index, kann der Wert künstlich hoch erscheinen.
Ein europäischer Nebenwertefonds sollte beispielsweise nicht mit einem globalen Standardaktienindex verglichen werden. Eine große Abweichung wäre dann selbstverständlich und würde wenig über die Aktivität des Fondsmanagements aussagen.
Deshalb sollte zuerst geprüft werden, ob der Benchmark (Vergleichsindex) tatsächlich zur Anlagestrategie passt.
Fazit: Eine hilfreiche Ergänzung bei der Fondsauswahl
Active Share beantwortet eine einfache, aber wichtige Frage: Wie aktiv ist ein aktiver Fonds tatsächlich?
Ein hoher Wert kann sinnvoll sein, wenn Anleger bewusst einen Manager auswählen möchten, der deutlich vom Index abweicht. Er garantiert jedoch weder höhere Renditen noch geringere Risiken. Im Gegenteil: Größere Abweichungen können auch größere Fehlentscheidungen bedeuten.
Besonders nützlich wird die Kennzahl in Verbindung mit Kosten, langfristiger Performance und Tracking Error. Wer hohe Gebühren für aktives Management zahlt, sollte zumindest erkennen können, dass tatsächlich aktive Entscheidungen getroffen werden.