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Klumpenrisiken im ETF-Depot

Breite Streuung kann täuschen. Ein Welt-ETF enthält oft mehrere hundert oder sogar einige tausend Aktien. Das wirkt automatisch gut diversifiziert. Trotzdem kann ein erheblicher Teil des Vermögens auf wenige Länder, Branchen oder besonders große Unternehmen entfallen. Der Grund liegt in der üblichen Gewichtung nach Marktkapitalisierung. Je höher der Börsenwert eines Unternehmens, desto größer sein Anteil im Index. Wachsen einige Konzerne besonders stark, steigt damit auch ihre Bedeutung im ETF.
2. September 2026 durch
Johannes Marondel

USA dominieren viele Weltindizes

Bei globalen Aktienindizes entfällt inzwischen ein sehr großer Anteil auf die USA. Das liegt nicht daran, dass die Indexanbieter die Vereinigten Staaten bevorzugen, sondern an der hohen Börsenbewertung amerikanischer Unternehmen.

Damit entsteht ein regionales Klumpenrisiko. Ein ETF kann Unternehmen aus 20 oder mehr Ländern enthalten und trotzdem überwiegend von der Entwicklung des US-Marktes abhängen.

Das betrifft nicht nur Konjunktur und Politik. Auch der US-Dollar spielt eine Rolle. Für Anleger aus dem Euroraum kann sich eine starke Veränderung des Wechselkurses zusätzlich auf die Wertentwicklung auswirken.

Diese Konzentration ist nicht automatisch problematisch. Sie sollte nur bekannt sein.

Mega-Caps bestimmen immer stärker die Entwicklung

Noch deutlicher zeigt sich die Konzentration bei einzelnen Unternehmen. Große Technologie- und Plattformkonzerne haben in vielen Indizes erhebliche Gewichte erreicht.

Damit können wenige Aktien einen großen Teil der Tagesbewegung eines gesamten Welt-ETFs verursachen.

Typische Konzentrationsquellen sind:

  • große US-Technologiekonzerne,
  • Halbleiterhersteller,
  • Plattform- und Cloud-Anbieter,
  • stark gestiegene KI-Profiteure.

Steigen diese Unternehmen weiter, profitieren Anleger entsprechend stark. Fallen sie gleichzeitig, wirkt sich das ebenfalls überproportional auf das gesamte Depot aus.

Mehrere ETFs können dasselbe Risiko enthalten

Ein Anleger besitzt beispielsweise bereits einen MSCI-World-ETF und ergänzt ihn um einen Nasdaq-ETF sowie einen KI- oder Technologie-ETF. Auf den ersten Blick liegen drei unterschiedliche Fonds im Depot.

Tatsächlich können in allen drei Produkten dieselben Unternehmen zu den größten Positionen gehören. Statt zusätzlicher Streuung entsteht eine noch stärkere Gewichtung der ohnehin dominierenden Aktien.

Deshalb sollte bei neuen ETFs nicht nur auf Fondsname und Index geachtet werden. Ein Blick auf die größten Positionen zeigt häufig schnell, ob tatsächlich neue Risikotreiber hinzukommen.

Branchengewichtung bleibt ebenfalls wichtig

Auch ein breit gestreuter Weltindex kann einzelnen Branchen eine hohe Bedeutung geben. Der Technologiesektor spielt heute eine wesentlich größere Rolle als noch vor 20 Jahren.

Dabei verschwimmen die Grenzen. Ein Unternehmen kann offiziell als Kommunikations-, Konsum- oder Technologiewert eingestuft sein und wirtschaftlich trotzdem stark vom gleichen Digitalisierungstrend abhängen.

Eine echte Diversifikation betrachtet deshalb nicht nur formale Branchenbezeichnungen, sondern auch gemeinsame wirtschaftliche Einflussfaktoren.

"ETFs ermöglichen eine sehr einfache und kostengünstige Diversifikation. Trotzdem können in marktgewichteten Indizes erhebliche Konzentrationen entstehen. Das ist kein Fehler des Produkts, sondern Folge der aktuellen Marktstruktur. Problematisch wird es vor allem dann, wenn zusätzliche Themen- oder Branchen-ETFs dieselben Positionen noch einmal verstärken."

Ergänzungen gezielt statt wahllos einsetzen

Wer Konzentrationen reduzieren möchte, kann gezielt andere Marktsegmente ergänzen. Denkbar sind etwa:

  • Small- und Mid-Caps,
  • stärker gleichgewichtete Strategien,
  • Value-Aktien,
  • andere Regionen,
  • Anleihen oder weitere Anlageklassen.

Dabei sollte jedoch nicht jede Konzentration reflexartig ausgeglichen werden. Ein kapitalisierungsgewichteter Welt-ETF bildet den globalen Aktienmarkt bewusst so ab, wie er aktuell strukturiert ist.

Zusätzliche Fonds bedeuten automatisch eine aktive Abweichung von diesem Marktportfolio.

Das Gesamtdepot zählt

Klumpenrisiken entstehen häufig nicht in einem einzelnen ETF, sondern durch die Kombination mehrerer Produkte. Deshalb sollte das Depot mindestens gelegentlich als Ganzes betrachtet werden.

Hilfreich sind dabei drei Fragen: Welche Unternehmen sind insgesamt am stärksten vertreten? Welche Länder dominieren? Welche wirtschaftlichen Themen treiben große Teile des Vermögens gleichzeitig?

Damit lässt sich oft besser beurteilen, wie breit ein Depot tatsächlich aufgestellt ist, als durch die reine Zahl der Fonds.

Fazit: Viele Positionen sind noch keine echte Streuung

ETFs ermöglichen eine sehr einfache und kostengünstige Diversifikation. Trotzdem können in marktgewichteten Indizes erhebliche Konzentrationen entstehen.

Das ist kein Fehler des Produkts, sondern Folge der aktuellen Marktstruktur. Problematisch wird es vor allem dann, wenn zusätzliche Themen- oder Branchen-ETFs dieselben Positionen noch einmal verstärken.

Für langfristige Anleger bleibt deshalb das Gesamtbild entscheidend: Nicht die Zahl der Fonds oder Aktien bestimmt die Qualität der Diversifikation, sondern die Verteilung der tatsächlichen Risikoquellen.

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